Dickdarmkrebs

(Kolonkarzinom, Rektumkarzinom, kolorektales Karzinom)

 

Zusammenfassung:             

Der Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Tumoren; er entwickelt sich von Zellen der Dickdarmschleimhaut. Es gibt keine klassischen Frühsymptome; eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung ist daher die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung. Ist ein Dickdarmkrebs entdeckt und operiert worden, wird häufig eine Sicherheitschemotherapie durchgeführt. Im Fall von Enddarm-/Mastdarmkrebs wird als Sicherheitsmaßnahme zur Vorbeugung von Rückfällen in bestimmten Fällen eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie empfohlen. Diese kombinierte Therapie wird bei einzelnen Patienten auch vor einer Operation dann durchgeführt, wenn der Chirurg den Tumor nicht so operieren kann, dass die Schließmuskelfunktion erhalten bleibt. Falls Tochtergeschwülste (Metastasen) festgestellt werden, kann eine Medikamententherapie durchgeführt werden, die in einzelnen Fällen erlaubt, nach Verkleinerung der Tochtergeschwülste eine Operation durchzuführen; sollte dies nicht erreicht werden können, führt die meist gut verträgliche Chemotherapie gleichwohl zu einer deutlichen Verbesserung der Lebenserwartung und meist auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität.

 

 

                  

Begriffsbestimmung:        

Der Dickdarmkrebs geht von der Schleimhaut des Dickdarms aus (= Adenokarzinom) und kann in allen Dickdarmabschnitten auftreten. Der Dickdarm umfasst das rechtsseitig im Unterbauch gelegene sogenannte Coecum, in das der Dünndarm mündet und an dem der Wurmfortsatz (Appendix, „Blinddarm“) liegt, ferner den rechtsseitigen, aufsteigenden Dickdarmabschnitt (Colon ascendens), das oben liegende Querkolon (Colon transversum), den linksseitigen, absteigenden Dickdarmabschnitt (Colon descendens), das Sigma (den „S“-förmigen Dickdarmabschnitt; Colon sigmoideum) sowie den vor dem Schließmuskel liegenden unteren Dickdarmabschnitt, den Mastdarm (Rektum).

 

 

 

 

Häufigkeit:           

Dickdarmkarzinome treten in Deutschland jährlich bei etwa 70 von 100.000 Einwohnern auf. In einer Großstadt wie Düsseldorf entspricht dies etwa 350-400 Menschen pro Jahr, bei denen ein Dickdarmkrebs entdeckt wird.

                               

Meist treten Dickdarmkarzinome im Alter von mehr als 50 Jahren, seltener auch bei jüngeren Menschen, auf. Etwa die Hälfte der betroffenen Patienten ist älter als 70 Jahre. Ca. 30% der Dickdarmkarzinome betreffen den Enddarm/Mastdarm (das Rektum); die übrigen zwei Drittel finden sich in den höher gelegenen Dickdarmanschnitten.

 

Ursachen:            

Dickdarmkrebs tritt meist ohne erkennbare Ursachen und ohne familiäre Häufung auf.

 

Relativ seltene bekannte Ursachen sind  bestimmte entzündliche Darmerkrankungen. Daneben gibt es zahlreiche Vermutungen über mögliche Zusammenhänge mit der Ernährungsweise.

 

Bei jedem 6. bis 7. Patienten (15%) werden allerdings erbliche Ursachen vermutet. Bekannte vererbte (=hereditäre) Ursachen sind die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und andere, noch seltenere Erbkrankheiten. Häufiger sind Dickdarmkarzinome als Folge von Veränderungen an Enzymen, die an der Reparatur von Schäden der Erbsubstanz (DNS, DNA) beteiligt sind. Diese Dickdarmkrebsformen werden unter dem Begriff der „hereditären Nicht-Polyposis colorectalen Carcinome“ (HNPCC) zusammengefasst. HNPCC-Dickdarmkrebs wird bei etwa 1-6% aller Patienten mit Dickdarmkrebs vermutet. Nach ihrem Erstbeschreiber, dem Amerikaner Lynch, werden diese Dickdarmkrebsformen auch als „Lynch“-Syndrom bezeichnet. Häufig treten diese Dickdarmkrebs-Formen bei Menschen unterhalb des 50.Lebensjahr auf; andere Familienmitglieder können jedoch nicht nur von Dickdarmkrebs sondern auch von anderen Tumoren/Krebsformen betroffen sein. 

 

Ein erhöhtes Risiko für eine erbliche Dickdarmkrebserkrankung wird vermutet, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese werden als sogenannte „Amsterdam“- oder „Bethesda“-Kriterien bezeichnet. Einige diese Merkmale sind nachfolgend aufgeführt:

 

1.                Dickdarmkrebs bei 3 oder mehr Verwandten mit mindestens einem erstgradig Verwandten

 

2.                Dickdarmkrebs in zwei aufeinanderfolgenden Generationen

 

3.                Mindestens 1 Familienmitglied mit Dickdarmkrebs im Alter von weniger 50 Jahren

 

4.                Patienten mit Dickdarmkrebs oder Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom), diagnostiziert im Alter < 45 Jahren.

5.                Patienten mit rechtsseitigem Dickdarmkrebs oder Dickdarmkrebs mit besonderen Merkmalen, wie sie vom Pathologen beschrieben werden, diagnostiziert im Alter < 45 Jahren.

6.                Patienten mit noch gutartigen Wucherungen der Dickdarmschleimhaut (Adenomen), diagnostiziert im Alter < 40 Jahren.

 

Symptome:             

Am wichtigsten ist die Vorsorgeuntersuchung (siehe unten) ab dem 50. Lebensjahr. Neben Blutbeimengungen im Stuhl können andere Symptome im Einzelfall erst relativ spät auftreten, wie beispielsweise Schmerzen im Bauchraum oder und neu aufgetretene Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, z.B. Wechsel von Verstopfung und Durchfall, etc.

 

 

Stadieneinteilung:

 

 Vor oder nach einer möglichen Operation werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die genaue Tumorausbreitung im Körper zu bestimmen. Hierzu gehören eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie), eine computertomographische (CT) Untersuchung (eine besondere, exakte Form einer Röntgenuntersuchung) des Bauchraums, eine normale Röntgenuntersuchung oder eine CT-Untersuchung des Brustkorbs; vorwiegend bei Mastdarmkrebs erfolgt noch eine ebenso harmlose Ultraschalluntersuchung des Enddarm (Endosonographie). Ferner werden Blutuntersuchungen mit Bestimmung von Tumormarkern durchgeführt. Dies sind Eiweißstoffe, die bei bestimmten Tumorerkrankungen im Blut vermehrt nachweisbar sind. Im Fall des Dickdarmkrebs werden meist der CEA-Wert (CEA = carcinoembryonales Antigen) und der CA 19-9 Wert bestimmt. Weitere Untersuchungen werden je nach möglichen Beschwerden angefertigt.

 

Nach Abschluß dieser Untersuchungen oder – wenn eine Operation erfolgt – nach Durchführung der Operation wird das sogenannte Tumorstadium festgelegt, um die weitere Behandlung oder die Tumornachsorge zu planen. Üblicherweise wird die Stadieneinteilung der UICC (Union International Contre Cancer) verwendet. Gelegentlich verwenden die Ärzte auch noch die ältere Stadieneinteilung nach DUKES.

 

Stadium UICC I / Dukes A:

Der relative kleine Tumor hat nur die Schleimhaut des Dickdarms befallen. Lymphknoten in der Umgebung sind frei von Tumorzellen.

 

Stadium UICC II / Dukes B:

Der (meist größere) Tumor hat die äußere Darmwand erreicht oder reicht bis in angrenzende Strukturen/Organe. Lymphknoten in der Umgebung sind nicht von Tumorzellen befallen.

 

Stadium UICC III / Dukes C:

Es sind Lymphknoten in der Umgebung des Tumors von Tumorzellen betroffen.

 

Stadium UICC IV / Dukes D:

Es werden Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen nachgewiesen.

 

 

Behandlung:       

 

Operation:             

Dickdarmkrebs wird, falls möglich, zunächst operiert. Hierzu werden die von dem Tumor befallenen und unmittelbar angrenzenden Darmabschnitte unter Mitnahme benachbarter Lymphknotenstationen entfernt. Dieses Material wird später vom Pathologen unter dem Mikroskop eingehend untersucht, um die exakte Tumorgröße und einen möglichen Lymphknotenbefall zu bestimmen.

 

Werden bei der Diagnose von Dickdarmkrebs einzelne, wenige Tochtergeschwülste beispielsweise in der Leber festgestellt, werden diese bei der Dickdarmtumoroperation gleichzeitig, in einzelnen Fällen anschließend, herausoperiert.

 

Bei Enddarm-/Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom), der sehr nahe am Schließmuskel des After/Anus gelegen ist und nicht unter Erhaltung der Schließmuskelfunktion operiert werden kann, wird zunächst eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt, um diesen Tumor zu verkleinern. Häufig kann dieser Tumor später dann so operiert werden, dass die Schließmuskelfunktion erhalten werden kann.

 

In manchen Fällen ist es erforderlich, dass der Chirurg für eine begrenzte Zeitdauer von einigen Wochen oder Monaten einen künstlichen Darmausgang anlegt, der dann später wieder operativ zurückverlegt wird. Nur vergleichsweise selten ist ein künstlicher Darmausgang (Stoma) dauerhaft notwendig. Aber auch mit einem künstlichen Darmausgang kann man heute aufgrund der deutlich verbesserten Hilfsmittel zur Pflege des Stomas ein weitgehend normales Leben führen. Die Pflege bzw. der Umgang mit einem Stoma wird durch speziell ausgebildetes Personal (Stomatherapeuten) trainiert.

 

Chemotherapie:  

Im Stadium III oder Dukes C (siehe oben), d.h. bei Tumorbefall von Lymphknoten in der Umgebung des Tumors wird etwa 4 Wochen nach der Operation eine Sicherheitschemotherapie (= adjuvante Chemotherapie) angeschlossen. Diese erstreckt sich über einen Zeitraum von 4-6 Monaten.

 

Eine Chemotherapie wird ebenfalls bei Nachweis von Tochtergeschwülsten (Metastasen) durchgeführt. Hierzu stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

 

Neue Medikamente, die zum Teil noch in der Entwicklung sind, richten sich gezielt (selektiv) gegen bestimmte Eiweißstoffe an den Tumorzellen. Diese als Rezeptoren (beispielsweise der EGF-Rezeptor, EGFR, oder VEGF-Rezeptor) bezeichneten Eiweißstoffe weisen eine Enzymfunktion auf, die sich durch Medikamente gezielt hemmen lässt. Dies sind Antikörper wie Cetuximab/Erbitux oder Bevacizumab (Avastin) oder aber Medikamente (kleine Moleküle), die diese Enzyme im Zellinneren hemmen.

 

 

Sicherheitschemotherapie (= adjuvante Chemotherapie) nach der Operation

 

Warum wird eine Sicherheits- (adjuvante) Chemotherapie durchgeführt ?

 

Bei einem Teil der Patienten sind zum Zeitpunkt der Operation einzelne Tumorzellen mit dem Blut im Körper verstreut worden. Diese sind auch mit den modernen Untersuchungsverfahren nicht erkennbar, können aber zu einem späteren Zeitpunkt größere Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Je kleiner der Dickdarmkrebs ist, umso geringer ist meist auch das Risiko, dass solche Metastasen auftreten. Sind Tumorabsiedlungen in Lymphknoten erkennbar, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb von 5 Jahren Tochtergeschwülste auftreten etwa 30-40%. Dieses Risiko lässt sich durch eine Sicherheitschemotherapie um etwa ein Viertel bis ein Drittel verringern (siehe Abbildung). Somit überleben von 100 erfolgreich operierten Patienten/Innen mit einer Sicherheits- (adjuvanten) Chemotherapie nach 5 Jahren ca. 10-15 Patienten/Innen mehr als ohne eine adjuvante Chemotherapie.

 

 

 

Wie lange dauert die Sicherheitschemotherapie (adjuvante Chemotherapie) und wie wird diese durchgeführt ?

 

Die adjuvante Chemotherapie mit den Medikamenten 5-Fluorouracil und Leukovorin (Folinsäure) und Oxaliplatin wird meist ambulant durchgeführt. Es gibt unterschiedliche Arten, diese Medikamente zu verabreichen. In der Regel wird die individuell organisatorisch am besten mögliche Form gewählt. Eine vor ca. 15-20 Jahren entwickelte Behandlungsform, bei der die o.g. Medikamente über 5 aufeinanderfolgende Tage alle 4 Wochen verabreicht werden (Mayo-Regime), wird aufgrund der häufigen Nebenwirkungen heute nur noch selten angewendet. Am besten bewährt haben sich neuerdings Therapien mit Infusionen über 48 Stunden, die insgesamt 12 mal im Abstand von 2 Wochen angewendet werden.

 

Die Gesamtdauer dieser Behandlung erstreckt sich über ca. 18 -24 Wochen. Danach beginnt die Tumornachsorge.

Eine Tablettentherapie mit dem Medikament Capecitabin, das im Köper in 5-Fluorouracil umgewandelt wird, kann ebenfalls Anwendung finden.

 

 

Wird im Stadium II auch eine Sicherheitschemotherapie durchgeführt ?

 

Wenn Lymphknoten nicht betroffen sind, d.h. ein Stadium II der Erkrankung vorliegt (siehe oben), wird eine Sicherheitschemotherapie üblicherweise nicht durchgeführt, da nicht endgültig gesichert ist, dass eine Sicherheitschemotherapie in dieser Situation die Prognose verbessert. Gleichwohl existieren einige Ergebnisse, die auf einen möglichen, wenngleich geringen Vorteil hindeuten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Risikofaktoren vorliegen, z.B. sog. T4-Tumoren oder wenn ein Tumor während der Operation in der Bauchhöhle "zerbricht" (rupturiert) oder wenn weniger Lymphknoten entfernt wurden als normalerweise erwartet wird. Den Vorteilen der Behandlung sind vor allem im Stadium II (Dukes B) die möglichen Nachteile der Therapie gegenüber zu stellen. Eine recht gute Abschätzung des möglichen Überlebensvorteils durch eine Sicherheitschemotherapie bieten heute spezielle Computerprogramme.

 

 

Gibt es modernere Behandlungsformen als Sicherheitschemotherapie ?

 

Außer der oben beschriebenen Sicherheitschemotherapie mit Infusionen oder Spritzen von 5-Fluorouracil und Folinsäure sowie Oxaliplatin und einer Tablettentherapie mit Capecitabin gibt es momentan keine weitere Behandlungsform, für die langfristige Vorteile gesichert sind und die international als eine etablierte Behandlungsform angesehen wird. 

 

 

Die Antiköper Cetuximab (Erbitux) und Bevacizumab (rh-hu-Anti-VEGF-Antikörper, Avastin) werden für die adjuvante Chemotherapie außerhalb klinischer Studien nicht verwendet, da ein Vorteil für eine solche Behandlung noch nicht nachgewiesen ist.

 

 

 

Mit welchen Nebenwirkungen ist bei einer Sicherheitschemotherapie mit 5-Fluorouracil, Folinsäure und Oxaliplatin zu rechnen ?

 

Die adjuvante Chemotherapie mit 5-Fluorouracil,Folinsäure und Oxaliplatin wird meist gut vertragen. Ein Haarausfall tritt üblicherweise nicht auf. Mögliche Nebenwirkungen sind Durchfälle, Mundschleimhautentzündungen und Fieber. Durch Oxaliplatin werden nicht selten Gefühlsstörungen an Fingern und Füßen hervorgerufen, wobei diese vor allem durch Kälte ausgelöst werden können. Meist bilden sich diese Nebenwirkungen wenige Tage nach der Chemotherapie zurück. Selten können diese Nervenstörungen jedoch länger bestehen bleiben, wobei sie sich auch dann meist im Laufe eines Jahres weitgehend oder vollständig zurückbilden. Selten treten (vorübergehende) Hautveränderungen an Hand- und Fußinnenflächen auf. Daneben gibt es – wie bei jedem Medikament - andere, sehr seltene Nebenwirkungen verschiedener Art. Wichtig ist es, bei Durchfällen und Fieber die behandelnden Ärzte unmittelbar aufzusuchen, damit eine rasche, wirksame Behandlung dieser Nebenwirkungen erfolgen kann.

 

Kombinierte Chemo- und Strahlentherapie bei Enddarm-/Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom)

 

Da ein Rektumkarzinom häufiger zu örtlichen (lokalen) Tumorrückfällen führt, wird die Chemotherapie in der Regel mit einer Strahlentherapie kombiniert. Hierdurch kann die Häufigkeit von Tumorrückfällen im Operationsgebiet (im kleinen Becken) verringert werden. Grundsätzlich kann diese kombinierte Behandlung (Chemo-/Strahlentherapie oder Strahlen-/Chemotherapie) vor oder nach der Operation erfolgen.

 

Ist, wie zuvor beschrieben (siehe „Operation“), der Enddarm-/Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) sehr nahe am Schließmuskel des After/Anus gelegen ist und kann voraussichtlich nicht unter Erhaltung der Schließmuskelfunktion operiert werden, wird zunächst eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt, um diesen Tumor zu verkleinern. Häufig kann der Tumor später dann so operiert werden, dass die Schließmuskelfunktion erhalten werden kann.

 

Dieses Vorgehen wird als präoperative (neoadjuvante) Therapie bezeichnet. Die Behandlung erstreckt sich dabei über 5-6 Wochen; nach einer Erholungsphase von etwa 4 Wochen wird dann die Operation durchgeführt.

 

Wurde der Mastdarm-/Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) bereits mittels Operation entfernt, erfolgt die Sicherheits-Chemo-/Strahlentherapie (adjuvante Chemo-/Strahlentherapie) im Anschluss hieran. Dabei erstreckt sich die Behandlung über einen Gesamtzeitraum von einigen Monaten.

 

 

Chemotherapie bei Nachweis von Tochtergeschwülsten (Metastasen):

 

Werden im Rahmen der Erstdiagnose des Dickdarmkrebs oder zu einem späteren Zeitpunkt Tochtergeschwülste (Metastasen) entdeckt, wird meist eine medikamentöse Behandlung durchgeführt (= Chemotherapie). Hierzu stehen Behandlungen mit unterschiedlichen Medikamenten in Form von Infusionen, Spritzen und Tabletten zur Verfügung.

 

 

Meist werden heute Kombinationen verschiedener Medikamente angewendet. Bei einzelnen Patienten kann aber auch eine nacheinander folgende (sequenzielle) Therapie mit jeweils einem Medikament sinnvoll sein. Dies richtet sich nach Allgemeinzustand, Nebenerkrankungen, Organfunktionen und möglichen Nebenwirkungen der Behandlung.

Zur Verfügung stehen heute verschiedene Formen einer Behandlung mit 5-Fluorouracil, dessen Wirkung durch Folinsäure verstärkt wird. Meist kommen Kombinationstherapien zum Einsatz, wobei 5-Fluorouracil mit Oxaliplatin oder Irinotecan kombiniert wird. Auch wenn eine Therapie mit 5-Fluorouracil allein nicht mehr wirksam ist, wird dieses Medikament mit Oxaliplatin kombiniert, da sich hierdurch eine Wirkungsverstärkung ergibt. Von besonderem Interesse ist auch die Gabe des Antikörpers Cetuximab, der nicht nur allein wirksam sein kann sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Tumorzellen gegenüber Irinotecan aufheben kann. Inzwischen ist bekannt, dass der Antikörper Cetuximab nur dann wirksam ist, wenn die Tumorzellen keine Veränderung des sogenannten k-ras-Gens aufweisen. Ein Test, mit dem dies bestimmt wird, wird heute routinemäßig von Pathologen durchgeführt. Dasselbe gilt auch für den neueren Antiköper Panitumumab, der ebenfalls nur dann wirksam ist, wenn das k-ras Gen nicht verändert ist (sog. k-ras-Wildtyp). Auch der Antikörper Bevazicumab (Avastin) wird in Kombination eingesetzt, und zwar mit 5-Fluorouracil oder der Kombination von 5-Fluorouracil plus Irinotecan.

 

 

Ist die Chemotherapie nützlich ?

 

Ein Vorteil der Chemotherapie auf die Überlebensprognose ist eindeutig gesichert, auch wenn eine dauerhafte Heilung nicht erreicht werden kann.
Eine Verbesserung der Lebenserwartung durch die medikamentöse Behandlung wird bei der Mehrzahl der Patienten/Innen durch eine Tumorverkleinerung oder das Erreichen eines Wachstumsstops der Tochtergeschwülste erreicht. Bei einzelnen Patienten gelingt es, mit einer Chemotherapie die Tochtergeschwülste so zu verkleinern, dass nachfolgend eine zuvor nicht mögliche Operation erfolgen kann

 

 

 

Welche Nebenwirkungen hat die Chemotherapie und wie wirkt sich diese auf die Lebensqualität aus ?

 

Die medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) kann verschiedene Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität zur Folge haben. Dies hängt ab von den zu verabreichenden Medikamenten, dem Allgemeinzustand, Nebenerkrankungen und Organfunktionen. Um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, richtet sich die Wahl der Medikamente oder Medikamenten-kombinationen nach diesen Bedingungen.

 

Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Durchfälle, Mundschleimhautveränderungen und Veränderungen des Blutbilds mit Verringerung der weißen (Leukozyten) und roten (Erythrozyten) Blutkörperchen, seltener der Blutplättchen (Thrombozyten). Damit einhergehend können Infekte und Fieber auftreten. Wichtig ist, dass solche Nebenwirkungen erkannt und im Bedarfsfall rasch behandelt werden. Hierzu ist der Onkologe, der die Behandlung durchführt, speziell geschult.

 

Neben den o.g. Nebenwirkungen können besondere Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente vorkommen. Hierbei kann es sich beispielsweise um eine Kälteempfindlichkeit von Fingern/Füßen oder Hautveränderungen an Hand-/Fußinnenflächen handeln. Meist entstehen solche Nebenwirkungen langsam und bilden sich nach Absetzen der auslösenden Medikamente langsam zurück.

 

Übelkeit tritt heute mit modernen Begleitmedikamenten nur noch selten und dann meist gering ausgeprägt auf. Ein (vorübergehender) kosmetisch wirksamer Haarausfall ist mit verschiedenen, bei Dickdarmkrebs verwendeten Medikamenten-kombinationen heute eher die Ausnahme.

 

Abhängig vom Allgemeinbefinden und den vorliegenden Beschwerden durch die Tumorerkrankung bei Beginn der Chemotherapie kann sich eine Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die o.g. Nebenwirkungen ergeben. Mehrheitlich findet sich aber – zumindest für bestimmte Medikamentenkombinationen – eine gleichbleibende oder verbesserte Lebensqualität.

 

Grün = Verbesserung durch Chemotherapie

Gelb = kein Unterschied gegenüber Beobachtung/Behandlung

ohne Chemotherapie

Rot = gehäuft während der Chemotherapie

 

 

 

Wie wird die Chemotherapie verabreicht ?

 

Abhängig von der jeweiligen Behandlungssituation wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der es ermöglichen soll, die persönlichen Interessen und Anforderungen an die Lebensqualität und Lebensumstände bestmöglich zu berücksichtigen. In Betracht kommen unter anderem Behandlungen in Form von Infusionen, die einmal wöchentlich an einem Tag oder alle 2 Wochen – meist ambulant – durchgeführt werden; ferner Behandlungen in Infusions- oder Spritzenform alle 3-4 Wochen oder aber in Tablettenform ( 2 Wochen Tabletteneinnahme mit 1 Woche Pause).

 

 

Wie lange wird die Chemotherapie durchgeführt ?

 

Die medikamentöse Tumorbehandlung bei Dickdarmkrebs wird grundsätzlich dauerhaft fortgesetzt, so lange die Behandlung eine Wirksamkeit zeigt. Bei Nachweis einer Therapiewirksamkeit durch Rückbildung oder Wachstumsstop von Metastasen können Therapiepausen / Urlaube eingeplant werden. Im Falle einer Unwirksamkeit wird die Behandlung durch Auswahl und Gabe anderer Medikamente geändert. Dasselbe gilt, wenn bestimmte Medikamente nicht gut verträglich sind.

 

Ist eine Chemotherapie bei älteren Patienten/Innen zumutbar und sinnvoll ?

 

Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass ältere Patienten/Innen (älter als 70 Jahre) auf eine Chemotherapie ebenso gut und mit vergleichbarer Prognose ansprechen wie jüngere Patienten. Auch die Verträglichkeit ist meist vergleichbar. Zu beachten sind Begleiterkrankungen, die ein erfahrener Onkologe bei der Wahl und der Verabreichungsform der Medikamente jedoch berücksichtigt. Grundsätzlich gilt somit, dass ältere Patienten/Innen ebenso von einer Chemotherapie profitieren wie jüngere Patienten und folglich – sofern möglich - auch ebenso behandelt werden sollten.

 

 

Nachsorge:

         

Nach abgeschlossener Behandlung (Operation plus Chemotherapie oder Chemo-Strahlentherapie) beginnt die sogenannte Tumornachsorge. Deren Ziel ist es, einen eventuellen Rückfall möglichst frühzeitig zu erkennen, denn auch in der Rückfallsituation kann durch ein frühzeitiges Eingreifen eine Heilungschance bestehen. Die Häufigkeit der Nachsorgeuntersuchungen und die dabei jeweils erforderlichen Untersuchungsverfahren sind international und national ein wenig unterschiedlich, unterscheiden sich insgesamt jedoch nur geringfügig.

 

Nachfolgend ist ein in Deutschland übliches Nachsorgeprogramm aufgeführt. Wichtig ist, dass die betroffenen Patienten/Innen selbst hinreichend über diesen Nachsorgeplan informiert sind und zeitgerechte Termine für die notwendigen Nachsorgeuntersuchungen vereinbaren. Während der ersten 2 Jahre werden Untersuchungen zunächst alle 6 Monate, später meist in längeren Zeitintervallen durchgeführt.

 

 

 

VORSORGE-Untersuchung:   

 

Der Dickdarm ist ein gut untersuchbares Organ und bietet sich ideal für Vorsorgeuntersuchungen an. Ab dem 50. Lebensjahr werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Hierzu gehören die körperliche Untersuchung und ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Darüber hinaus werden Dickdarmspiegelungen in größeren Zeitabschnitten empfohlen. In Deutschland wird eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) beginnend ab dem 55. Lebensjahr alle 10 Jahre empfohlen.

 

Diese Empfehlungen betreffen Menschen ohne erhöhtes Risiko, einen Dickdarmkrebs zu entwickeln. Für Menschen mit erhöhtem Risiko (siehe oben) gelten engmaschigere und intensivere Untersuchungsintervalle, die im Einzelnen an dieser Stelle nicht aufgeführt werden können.